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Sprechen wir über … psychische Gesundheit und psychosoziale Versorgung während und nach einer Krebserkrankung im Kindes-, Jugend- und jungen Erwachsenenalter

Ein Set von EU-CAYAS-NET Pocket Cards zur Orientierung und Sensibilisierung

Pocket Cards aus dem EU-CAYAS-NET-Projekt zur psychischen Gesundheit und psychosozialen Versorgung während und nach einer Krebserkrankung im Kindes-, Jugend- und jungen Erwachsenenalter.

Veröffentlicht
Veröffentlicht: 1. Juni 2025
Herausgegeben von
Herausgegeben von: Childhood Cancer International – Europe, Medical University of Vienna
Autorinnen und Autoren
Autorinnen und Autoren: Liesa J. Weiler-Wichtl, Ulrike Leiss, Oriana Sousa, Kerstin Krottendorfer, Tiago Pinto da Costa, Anna Zettl, Anika Rupprecht, Hannah Gsell, Alied van der Aa
PDF herunterladenPDF · 22 Seiten · 6.8 MB
Titelseite von Sprechen wir über … psychische Gesundheit und psychosoziale Versorgung während und nach einer Krebserkrankung im Kindes-, Jugend- und jungen Erwachsenenalter

Diese Seite wurde maschinell aus dem englischen Original übersetzt, damit das Dokument in Ihrer Sprache durchsuchbar ist; maßgeblich sind der englische Text und die offiziellen PDFs. Offizielle Übersetzung herunterladen (PDF)

„Psychische Gesundheit ist mehr als das Fehlen psychischer Störungen“

WHO, 2022

10 wichtige Punkte, um während und nach einer Krebserkrankung auf Ihre psychische Gesundheit zu achten

Eine Krebserkrankung bei jungen Menschen kann bleibende Auswirkungen haben. Während der Fokus oft auf der körperlichen Gesundheit liegt, ist es wichtig, auch während und nach einer Krebserkrankung der psychischen Gesundheit Priorität einzuräumen.

  1. Erkennen Sie Ihre Gefühle an. Es ist normal, eine Bandbreite von Gefühlen zu erleben, darunter Angst, Traurigkeit und Furcht. Erkennen Sie diese Gefühle an und suchen Sie Unterstützung, wenn nötig.
  2. Finden Sie ein Unterstützungssystem. Ein Unterstützungssystem kann emotionale und praktische Unterstützung bieten. Dazu können Familie, Freundinnen und Freunde sowie Selbsthilfegruppen gehören.
  3. Priorisieren Sie Selbstfürsorge. Sich durch Bewegung, gesunde Ernährung und Schlaf um die körperliche Gesundheit zu kümmern, kann die psychische Gesundheit verbessern.
  4. Suchen Sie professionelle Hilfe. Fachkräfte für psychische Gesundheit, wie Psychologinnen und Psychologen sowie Beratende, können spezialisierte Unterstützung für junge Menschen und ihre Familien bieten.
  5. Informieren Sie sich. Sich über psychische Gesundheit während und nach einer Krebserkrankung zu informieren, kann Stigmatisierung verringern und den Zugang zu Ressourcen verbessern.
  6. Bleiben Sie in Verbindung. Soziale Aktivitäten und Hobbys können die soziale Unterstützung verbessern und Gefühle der Isolation verringern.
  7. Entspannungsübungen. Achtsamkeitspraktiken wie Meditation und Atemübungen können Stress reduzieren und das emotionale Wohlbefinden verbessern.
  8. Beziehen Sie Gesundheitsfachkräfte ein. Nehmen Sie Kontakt zu einer Gesundheitsfachkraft auf, um über Ihre psychische Gesundheit und mögliche Sorgen zu sprechen.
  9. Setzen Sie sich für sich selbst ein. Haben Sie keine Angst, sich zu äußern und sich für Ihre Bedürfnisse in Bezug auf die psychische Gesundheit einzusetzen. Es ist in Ordnung, wenn Sie dabei Unterstützung durch eine andere Person brauchen.
  10. Gehen Sie einen Tag nach dem anderen an. Mit und nach einer Krebserkrankung zu leben, ist ein Weg, und es ist wichtig, ihn einen Tag nach dem anderen zu gehen. Denken Sie daran, dass Sie nicht immer positiv denken müssen. Verzweiflung und Hoffnung können sich abwechseln, und das ist in Ordnung! Siehe Taschenkarte „Der Balanceakt zwischen Angst und Hoffnung“.

Mit jungen Menschen über ernste Themen sprechen

Empfehlungen für alle, die an einem Gespräch beteiligt sind

Kommunikation über schwierige Themen lässt sich nicht vermeiden, aber der Ansatz und die Haltung können einen Unterschied machen.

  1. Begegnen Sie auf Augenhöhe. Körperlich und symbolisch.
  2. Wertschätzen Sie. Zeigen Sie die Bereitschaft, in die Welt des jungen Menschen einzutreten, versuchen Sie, seine Realität so zu akzeptieren, wie er sie sieht, und hören Sie seine Ängste und Verluste so, wie er sie empfindet. Wertschätzen Sie seine Sichtweisen – urteilen Sie nicht und unterschätzen Sie sie nicht.
  3. Beziehen Sie ein. Geben Sie jungen Menschen eine Stimme: Sprechen Sie MIT ihnen, nicht ÜBER sie! Ermutigen Sie zu altersentsprechender, aktiver Beteiligung.
  4. Hören Sie zu. Hören Sie genau hin: WAS wird WIE gesagt? Besonders zu untypischen Zeiten und an unerwarteten Orten.
  5. Passen Sie die Sprache an. Verwenden Sie eine einfühlsame und sorgfältige Sprache, die sich am ENTWICKLUNGSSTAND des jungen Menschen orientiert. Berücksichtigen Sie sowohl verbale als auch nonverbale Kommunikation (z. B. Mimik, Gestik, Körperhaltung).
  6. Respektieren Sie Gefühle. Nehmen Sie Gefühle ernst. Benennen Sie Gefühle, respektieren Sie sie, verharmlosen Sie sie nicht.
  7. Seien Sie aufrichtig. Junge Menschen erwarten ehrliche Antworten auf ehrliche Fragen, um Vertrauen aufzubauen.
  8. Zeigen Sie Offenheit. Signalisieren Sie, dass alle Fragen gut und willkommen sind. Seien Sie offen dafür, schwierige Themen zu besprechen, statt sie zu tabuisieren. Achten Sie auf kleine Signale.
  9. Orientieren Sie sich an Fragen. Lassen Sie sich von den Fragen der jungen Menschen leiten. Sie suchen von Natur aus nach der Menge an Informationen, die für sie richtig ist, um sich sicher zu fühlen. Über- oder unterfordern Sie sie nicht. Z. B. Was weißt du bereits? Was und wie viel möchtest du wissen? Worüber machst du dir genau Sorgen?
  10. Geben Sie Raum und Zeit. Bieten Sie eine geschützte, altersgerechte Umgebung. Berücksichtigen Sie die Aufmerksamkeitsspanne und geben Sie Zeit zur Verarbeitung. Planen Sie mehrere aufeinanderfolgende Gespräche.
  11. Nutzen Sie Hilfsmittel. Stellen Sie Bücher, Zeichnungen, Anwendungen, visuelle Modelle usw. bereit, um Verständnis und Verarbeitung zu fördern und so informierte und gemeinsame Entscheidungsfindung zu unterstützen.
  12. Planen und handeln Sie. Besprechen Sie konkrete nächste Schritte und planen Sie gemeinsam, um Selbstwirksamkeit und gesunde Bewältigungsstrategien sicherzustellen. Geben Sie Zuversicht und Sicherheit.
  13. Beziehen Sie Familie und soziales Netzwerk ein. Offene Kommunikation hat sich als Schutzfaktor für alle Beteiligten erwiesen. Eine vertraute Person kann während schwieriger Gespräche eine wertvolle Unterstützung sein.

Es ist in Ordnung, sich überfordert zu fühlen und bei der Kommunikation Hilfe zu suchen.

Dos und Don’ts in der Kommunikation

Empfehlungen für alle, die an einem Gespräch beteiligt sind

Bevor Sie ein Gespräch mit Menschen beginnen, die mit und nach einer Krebserkrankung leben, fragen Sie sich …

  • Wie fühle ich mich heute? Bin ich in der Lage zu unterstützen?
  • Welche Rolle habe ich im Leben dieser Person?
  • Was bedeutet das für das Gespräch?
  • Was erwartet diese Person von mir?
  • Wenn ich an ihrer Stelle wäre, was würde ich mir von diesem Gespräch wünschen?
  • Was weiß ich (oder glaube ich zu wissen) über diese Diagnose?
  • Welche Art von Frage kann ich stellen? Muss ich das fragen?

Wichtige Erkenntnisse

  • Es ist in Ordnung, nicht zu wissen, was man sagen soll (und das offen auszusprechen)
  • Es ist in Ordnung, eine schwierige Frage zu stellen, aber geben Sie der Person den Raum, sie unbeantwortet zu lassen
  • Akzeptieren Sie die Erfahrung der Person, nicht das, was Sie denken, dass sie ist
  • Seien Sie neugierig
  • Seien Sie geduldig
  • Versuchen Sie, sich mit Stille wohlzufühlen; auch nonverbale Kommunikation kann wirksam und tröstlich sein

Tipps zur Verbesserung der Kommunikation

Schlechte Kommunikation kann die Entscheidungsfindung, die Therapietreue, soziale Beziehungen und die psychische Gesundheit beeinträchtigen.

Was man sagen sollte – Dos

  • Passen Sie die Kommunikation an. Berücksichtigen Sie individuelles Alter, kognitive Entwicklung und soziale Aspekte und erkennen Sie die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten an
  • Erkennen Sie Gefühle an. Seien Sie empathisch, vermeiden Sie jedoch übermäßige Empathie
  • Unterstützen Sie die Entscheidungsfindung. Stellen Sie alle Informationen bereit, die für eine informierte Entscheidung erforderlich sind
  • Seien Sie ehrlich und transparent. Vermitteln Sie Informationen auf konstruktive und hoffnungsvolle Weise

Was man NICHT sagen sollte – Don’ts

  • Schuldzuweisungen. „Was hast du getan, um Krebs zu bekommen?“
  • Vergleiche. „Ich habe jemanden mit Krebs kennengelernt, und er ist gestorben.“
  • Aufdrängen. „Du solltest dankbar sein! Wenigstens lebst du noch!“
  • Etikettieren. „Kämpfer“ „Held“ (Es gibt keine Lösung, die für alle passt)
  • Toxische Positivität verwenden. „Hör auf, dir Sorgen zu machen, in ein paar Monaten wirst du wieder ganz normal aussehen.“
  • Entpersonalisieren oder verharmlosen. „Wenigstens hast du nicht die aggressivste Krebsart.“

Die soziale Dimension

Krebserkrankungen im Kindes-, Jugend- und jungen Erwachsenenalter können zu sozialen Herausforderungen führen.

Soziale Arbeit ergänzt die medizinische, psychologische und pflegerische Versorgung mit dem Ziel, Beratung und Unterstützung bei sozialen Herausforderungen bereitzustellen.

  • Sozioökonomische Faktoren
    • Bildung
    • Beschäftigung
    • Materielle Lebensbedingungen (z. B. Einkommen, Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln und Kleidung)
    • Lebensumstände (z. B. Zustand und Qualität der Wohnsituation)
    • Rechtsstatus
  • Soziokulturelle Faktoren
    • Sprache
    • Herkunftsland
    • Ethnizität
  • Soziale Beziehungen
    • Zwischenmenschliche Beziehungen
    • Soziale Netzwerke
    • Soziale Unterstützung
  • Sozioökologische Faktoren
    • Umweltfaktoren (z. B. städtisch vs. ländlich, klimatische Bedingungen, Luftqualität)
    • Mobilität (z. B. Verfügbarkeit von Verkehrsmitteln, Zugänglichkeit von Arbeitsplätzen, Schulen, Gesundheitseinrichtungen)

Was wird benötigt?

  • Bio-psycho-soziale Behandlungskonzepte
  • Soziales Screening/Assessment, Beratung und Interventionen für alle jungen Menschen und ihre Betreuungspersonen während der Behandlung und in der Nachsorge
  • Das Recht auf Vergessenwerden = Beendigung der Diskriminierung von Krebsüberlebenden beim Zugang zu essenziellen Finanzdienstleistungen.
    • Beenden Sie die ungerechte Behandlung von Überlebenden, die aufgrund ihrer medizinischen Vorgeschichte Finanzdienstleistungen in Anspruch nehmen möchten.
    • Schaffen Sie gesetzliche Rechte für Langzeitüberlebende, ihre Krebsvorgeschichte gegenüber Finanzinstitutionen nicht offenlegen zu müssen.
    • Gewährleisten Sie den Zugang zu Versicherungen und verhindern Sie steigende Versicherungstarife oder Bankkredite.

Bio-psycho-soziale Behandlungskonzepte sind ein mehrdimensionaler Ansatz für Gesundheit und Krankheit. Nicht nur somatische, sondern auch psychosoziale Aspekte müssen in die Betrachtung von Gesundheit und Krankheit einbezogen werden. Behandlung auf allen drei Ebenen:

  • bio – z. B. onkologische Erkrankung und Behandlung
  • psycho – z. B. Angst, chronische Trauer, emotionales Wohlbefinden
  • social – z. B. Isolation, sozioökonomische Belastung

Unterstützung in Bildung und Ausbildung

Junge Menschen, die mit und nach einer Krebserkrankung leben, können aufgrund ihrer Erkrankung, Behandlung oder Spätfolgen in ihrer Bildung und Ausbildung eingeschränkt sein.

Normalität, wo immer möglich — Unterstützung, wo immer nötig. Unser Ziel: eine Bildung, die zu Fähigkeiten, Persönlichkeit und Zukunftsplänen passt.

Was wird gebraucht?

  • Monitoring und Unterstützung über den gesamten Bildungsverlauf … für junge Menschen, die mit und nach einer Krebserkrankung leben, ihre Betreuungspersonen, Lehrkräfte & Gleichaltrigen
  • Niedrigschwelliger Zugang zu aussagekräftigen Informationen über alle rechtlichen und praktischen Unterstützungsmöglichkeiten
  • Spezialisierte Fachkräfte in der Nachsorge mit dem notwendigen Wissen, den Fähigkeiten und der Zeit, um die Kommunikation zwischen junger Person/Familie, Schule und Behandlungsteam zu koordinieren

6 Schritte zur Verbesserung der Unterstützung im Bildungsbereich

Mit Einschränkungen umgehen — von Stärken profitieren. Keine Bevorzugung, sondern Abbau von Benachteiligungen.

  1. Einen klaren Überblick über persönliche STÄRKEN und SCHWIERIGKEITEN gewinnen, z. B. durch neuropsychologische Diagnostik
  2. NACHTEILSAUSGLEICH in Betracht ziehen: Dieser ist besonders wichtig, wenn eine Einschränkung in einem Bereich (z. B. Gedächtnis) zu Nachteilen in anderen Bereichen (z. B. Mathematik) führen würde.
  3. PERSONENZENTRIERTE Unterstützung: Rechtliche Möglichkeiten und/oder Nachteilsausgleich nutzen – zugeschnitten auf individuelle Bedürfnisse.
  4. TRANSPARENT sein: Unterstützungsmöglichkeiten GEMEINSAM planen und besprechen. Mit allen Beteiligten kommunizieren und zusammenarbeiten (junge Person, Betreuungspersonen, Geschwister, Gleichaltrige & Lehrkräfte).
  5. EMOTIONALE UNTERSTÜTZUNG bieten: Gefühle von Angst, Unsicherheit & der Angst, anders zu sein, zulassen und Unterstützung in Anspruch nehmen.
  6. Den Fokus nicht nur auf Leistung, sondern auch auf ein ZUGEHÖRIGKEITSGEFÜHL und die soziale Situation legen; Mobbing vorbeugen.

Nachteilsausgleich = Ausgleich krankheitsbedingter Nachteile zur Sicherung von Chancengleichheit:

  • Separate, ruhige Räume für Prüfungen
  • Raum für Pausen
  • Nutzung von Lernmaterialien, die das Gedächtnis unterstützen (z. B. Formelsammlungen für Mathematik)
  • Zusätzliche Zeit bei Prüfungen
  • Reduzierung von Aufgaben oder Hausaufgaben
  • Multimodale Lernmaterialien, Materialien für Planung & Struktur

Machen wir berufliche Unterstützung zur Priorität

Junge Menschen, die mit und nach einer Krebserkrankung leben, können aufgrund ihrer Erkrankung, Behandlung oder Spätfolgen in ihrem Berufsleben eingeschränkt sein.

Sehr oft werden sie aufgrund mangelnden Wissens anderer unter- oder überschätzt und geraten daher möglicherweise in unpassende Arbeitssituationen.

Was wird gebraucht?

  • Kontinuierliches Monitoring und langfristige Unterstützung in der Nachsorge … für junge Menschen, die mit und nach einer Krebserkrankung leben, ihre Betreuungspersonen & Arbeitgeber
  • Niedrigschwelliger Zugang zu aussagekräftigen Informationen über alle rechtlichen und praktischen Unterstützungsmöglichkeiten
  • Spezialisierte Fachkräfte in der Nachsorge mit dem notwendigen Wissen, den Fähigkeiten und der Zeit, um die Kommunikation … zwischen junger Person/Familie, Arbeitsplatz, Behandlungsteam und Anbietern beruflicher Unterstützung zu koordinieren
  • Peer-Support-Programme

Wichtige Punkte zur beruflichen Unterstützung

Normalität, wo immer möglich — Unterstützung, wo immer nötig. Mit Einschränkungen umgehen — von Stärken profitieren. Ziel: eine berufliche Situation, die zu Fähigkeiten, Persönlichkeit, Interessen und Zukunftsplänen passt.

  1. Einen klaren Überblick über arbeitsbezogene STÄRKEN und SCHWIERIGKEITEN gewinnen, z. B. durch Neuropsychologie oder Arbeitsmedizin
  2. ARBEITSBEDINGUNGEN analysieren, um zu ermitteln, wo Anpassungen möglich sind.
  3. PERSONENZENTRIERTE Unterstützung: maßgeschneiderte Maßnahmen & Anpassungen an individuelle Bedürfnisse. Den bio-psycho-sozialen Hintergrund berücksichtigen und VORAUSPLANEN.
    • Anpassung der Arbeitszeiten
    • Rahmenbedingungen oder Art der Tätigkeit
    • Bereitstellung und Nutzung geeigneter Werkzeuge & Hilfsmittel
    • Raum für Erholung & mehr …
  4. RECHTLICHE FRAGEN klären: Arbeits- und Sozialrecht.
  5. TRANSPARENT sein: Unterstützungsmöglichkeiten GEMEINSAM planen und besprechen: Mit allen Beteiligten kommunizieren (junge Person, Betreuungspersonen, Arbeitgeber, Kolleg*innen, Anbieter beruflicher Unterstützung)
  6. EMOTIONALE & SOZIALE UNTERSTÜTZUNG: Den Fokus nicht nur auf Leistung legen. Gefühle wie z. B. Unsicherheit, die Angst, anders zu sein, & Trauer über ursprüngliche Pläne zulassen. Die soziale Situation berücksichtigen. Mobbing vorbeugen.

Der Balanceakt zwischen Angst und Hoffnung

Negative Gefühle gehören zum Menschsein dazu, um (traumatische) Erfahrungen angemessen zu verarbeiten.

  • Angst ist eine natürliche und wichtige Reaktion. Sie ist eine Kraft, die uns dazu antreibt, mit realen Bedrohungen umzugehen.
  • In moderatem Ausmaß auftretende Angst …
    • hat durch eine leistungssteigernde Wirkung eine Schutzfunktion.
    • schärft unsere Sinne & aktiviert unsere Überlebensmechanismen.
    • kann zu persönlicher Reifung führen.

Hoffnung ist ein mehrdimensionales und hoch individuelles Gefühl, das einer kontinuierlichen Anpassung unterliegt.

  • Hoffnung ist eine zuversichtliche innere Ausrichtung darauf, dass in der Zukunft etwas Wünschenswertes eintreten wird, ohne Gewissheit darüber zu haben.
  • Sie kann von Angst und Sorge begleitet sein.

Es ist normal, dass Angst und Hoffnung, Sorge und Zuversicht in kürzester Zeit wechseln oder gleichzeitig vorhanden sind. Die Fähigkeit, diese Dualität aufrechtzuerhalten („doppelte Bewusstheit“), gilt als optimale psychologische Anpassung an Krankheit oder Krisen.

„Hoffnung ist definitiv nicht dasselbe wie Optimismus. Sie ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgehen wird, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn ergibt, unabhängig davon, wie es ausgeht.“

Václav Havel

Über „gute“ und „schlechte“ Gefühle

Es gibt keine schlechten Gefühle. Jede Emotion hat ihre Berechtigung und Funktion und sollte gefühlt und ausgedrückt werden dürfen.

Gefühle, die sich subjektiv richtig und stimmig anfühlen, führen zu größerem Wohlbefinden, unabhängig davon, ob sie als „gut“ angesehen werden oder nicht.

Was wird gebraucht?

  • Kontinuierliches Mental-Health-Monitoring während der Behandlung und in der lebenslangen Nachsorge … für Menschen, die mit und nach einer Krebserkrankung leben, & ihre Familien/Freundeskreise
  • Niedrigschwelliger Zugang zu psychosozialer Behandlung und anderen Unterstützungsmöglichkeiten
  • Spezialisierte Fachkräfte mit dem notwendigen Wissen, den Fähigkeiten und der Zeit
  • Peer-Support-Programme

Positive Haltung vs. „toxische Positivität“

Eine positive Haltung und Optimismus werden im Allgemeinen mit höherem Wohlbefinden in Verbindung gebracht … ABER … wenn sie eingesetzt werden, um negative Emotionen zu unterdrücken, können sie mehr schaden als nützen.

Der Druck, „dankbar sein zu müssen“, kann zu Belastung und Schuldgefühlen führen. Traumatische Erfahrungen sollten Raum haben und bearbeitet werden.

Der schmale Grat zwischen angemessener, gesunder Verarbeitung und emotionalen Störungen

Während Trauer eine natürliche Reaktion und Teil des Lebens ist, erfordert Depression besondere Unterstützung. Der Unterschied zwischen Trauer und Depression kann nuanciert sein – und es gibt Merkmale, die auf beide Zustände zutreffen:

Trauer

  • Belastung steht im Zusammenhang mit Verlust oder Getrenntsein
  • Weinerlichkeit
  • Sehnsucht nach der verlorenen Person/Funktion/Sache
  • Leere
  • Tritt oft in Wellen auf

Beides

  • Traurigkeit
  • Interessenverlust an Aktivitäten & sozialem Leben
  • Erschöpfung
  • Appetit (gesteigert oder vermindert)
  • Schlaf (vermehrt oder vermindert)

Depression

  • Belastung steht im Zusammenhang mit einer allgemein gedrückten Stimmung
  • Gedanken an Selbstverletzung/Suizid
  • Oft anhaltende, dauerhaft niedergedrückte Stimmung
  • Mangel an Motivation & Energie

Trauer → anhaltende Trauerstörung → Depression

Auch wenn nicht jede Person depressive Symptome entwickeln wird, ist es entscheidend, sich dieser Möglichkeit bewusst zu sein. Bedenken Sie, dass Depression verschiedene zugrunde liegende Faktoren haben kann.

Professionelle Hilfe suchen

Suchen Sie professionelle Hilfe, wenn Folgendes mindestens 2 Wochen anhält:

  • Sie fühlen sich bei der Verarbeitung Ihrer Krebserfahrung festgefahren.
  • Sie bemerken eine große Lücke zwischen dem, wie Sie über Ihr Leben denken, und dem, wie Sie sich dabei fühlen.
  • Sie verspüren den Druck, glücklich und dankbar zu wirken, fühlen sich innerlich jedoch traurig und leer.
  • „Es wäre mir egal, morgen nicht aufzuwachen“ ist ein Gedanke, der Ihnen regelmäßig durch den Kopf geht.
  • Sie kämpfen seit langer Zeit mit Schlafproblemen.
  • Sie fühlen sich extrem müde, ohne einen klaren körperlichen Grund.
  • Sie haben das Gefühl, einen Damm gegen die Trauer errichtet zu haben, und sobald Sie anfangen zu weinen, werden Sie Ihre Tränen nie mehr stoppen können.

Es ist in Ordnung, um Hilfe zu bitten!

Möglichkeiten der Unterstützung

Selbsthilfe:

  • Erzählen der eigenen Geschichte
  • Gespräche
  • Selbsthilfegruppen
  • Mentoring-Programme
  • Körperliche Aktivität/Sport
  • Künstlerischer Ausdruck
  • Bibliotherapie

Professionelle Therapie:

  • Psychoedukation
  • Klientenzentrierte Therapie
  • Kognitive Verhaltenstherapie
  • Systemische Familientherapie
  • Klinisch-psychologische Therapie
  • Neuropsychologische Therapie
  • Gruppentherapie
  • EMDR (Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegungen)
  • ACT (Akzeptanz- und Commitment-Therapie)
  • Sonstiges (z. B. expressive Therapien, Kunsttherapie, Psychomotorische Therapie, Pharmakotherapie usw.)

Was wird gebraucht?

  • Mental-Health-Monitoring während der Behandlung und in der lebenslangen Nachsorge
  • Niedrigschwelliger Zugang zu psychosozialer Behandlung

Mein Recht zu trauern

Patientinnen und Patienten, Survivors, Betreuende, Fachkräfte – alle dürfen trauern.

Trauer = eine natürliche Reaktion auf Verlust, die typischerweise Gefühle von Traurigkeit, Sehnsucht, Wut, Schuld, Verwirrung und Taubheit umfasst. Sie ist ein komplexer und individueller Prozess, der sich von Person zu Person stark unterscheidet. Trauer ist notwendig, um den Verlust zu verarbeiten, den Sie erleben.

Trotz der Freiheit, auf die eigene Weise zu trauern, kann mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz und fehlendes Verständnis für vielfältige Trauerprozesse für trauernde Menschen zu Stigmatisierung und Isolation führen.

  • Ich darf weinen, aber ich muss es nicht
  • Ich darf wütend sein und meine Gefühle ausdrücken
  • Ich darf Angst haben
  • Ich darf wieder lachen und glücklich sein
  • Ich kann viele verschiedene Gefühle gleichzeitig haben
  • Ich darf eine Weile vergessen
  • Ich darf so viel trauern, wie ich möchte
  • Ich sollte mich nicht schuldig fühlen
  • Ich darf über die Krankheit sprechen, wenn ich das möchte
  • Ich darf über meine Trauer, Verluste und Ängste sprechen
  • Ich darf über Tod und Sterben sprechen
  • Ich kann alle Fragen stellen, die ich möchte
  • Ich darf etwas Ruhe haben
  • Ich darf Dinge tun, die mir Trost spenden und mir guttun
  • Ich darf schwach sein
  • Ich darf mir alle Zeit nehmen, die ich brauche

„Trauer, die nicht nach außen kommt, eitert. Sie kann krank machen. Erst wenn wir sie ausdrücken, wird sie erträglich.“

Dirk de Wachter, Psychiater

So verwenden Sie die Pocket Cards

  1. Bewahren Sie die Pocket Cards leicht zugänglich auf – ob auf Ihrem Schreibtisch, in einem Display oder in Wartebereichen Ihrer Einrichtung.
  2. Nutzen Sie sie als Orientierungshilfe, wenn Sie mit Patientinnen und Patienten, Survivors, Familien, Betreuenden, Kolleginnen und Kollegen oder Lehrkräften über psychische Gesundheit und psychosoziale Versorgung sprechen.
  3. Teilen Sie die Karten und Informationen mit anderen, um das Bewusstsein zu stärken und Gespräche über die Bedeutung von Unterstützung für die psychische Gesundheit während und nach einer Krebserkrankung im Kindes-, Jugend- und jungen Erwachsenenalter anzustoßen.
  4. Besuchen Sie die auf den Karten angegebene Website, um auf weitere Ressourcen und vertiefende Informationen zu psychischer Gesundheit und psychosozialer Versorgung zuzugreifen. Treten Sie unserer Plattform bei, um sich mit anderen zu vernetzen.
  5. Nutzen Sie den freien Platz auf der jeweiligen Karte, um sich Notizen oder wichtige Kontaktdaten zu Angeboten im Bereich psychische Gesundheit oder zu Unterstützungsnetzwerken zu notieren.

Über diese Publikation

Alle Pocket Cards wurden im Rahmen des Projekts EU-CAYAS-NET entwickelt und in Zusammenarbeit mit Patientenvertretungen und Fachkräften des Gesundheitswesens überarbeitet. Die Hauptverantwortung lag bei Childhood Cancer International – Europe und der Medizinischen Universität Wien. Die Inhalte erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Letzte Überarbeitung im Juni 2025. Die Pocket Cards sind in mehreren Sprachen verfügbar.

Autorinnen und Autoren

  • 10 zentrale Punkte zur psychischen Gesundheit: Liesa J. Weiler-Wichtl, Klinische Psychologin, Österreich
  • Über ernste Themen sprechen: Ulrike Leiss, Klinische Psychologin, Österreich. Quellen: Damm, L. et al., 2015; Stein, A. et al., 2019; Stivers, T., 2012; Skeen, J.E., & Webster, M.L., 2014
  • Do’s und Don’ts in der Kommunikation: Oriana Sousa, Psychologin & Patientenvertreterin, Portugal
  • Die soziale Dimension: Kerstin Krottendorfer, Klinische Sozialarbeiterin, Österreich; Tiago Pinto da Costa, Patientenvertreter, Portugal
  • Unterstützung im Bildungsbereich: Anna Zettl, Patientenvertreterin, Österreich; Anika Rupprecht, Psychologin, Österreich; Ulrike Leiss, Klinische Psychologin, Österreich
  • Berufliche Unterstützung: Anna Zettl, Patientenvertreterin, Österreich; Anika Rupprecht, Psychologin, Österreich; Ulrike Leiss, Klinische Psychologin, Österreich
  • Angst und Hoffnung: Hannah Gsell, Patientenvertreterin, Österreich; Ulrike Leiss, Klinische Psychologin, Österreich
  • Trauer und Depression: Alied van der Aa, Psychologin, Niederlande
  • Mein Recht zu trauern: Inhalt adaptiert nach Ayse Bosse (2015)

Ein aufrichtiger Dank gilt den folgenden Personen für die sorgfältige Durchsicht der Pocket Cards und die Teilnahme am Konsensprozess: Alied van der Aa, Inga Bosch, Ania Buchacz, Tiago Pinto da Costa, Lisa Goerens, Hannah Gsell, Kerstin Krottendorfer, Ulrike Leiss, Patricia McColgan, Aoife Moggan, Marta Perez, Carina Schneider, Oriana Sousa, Zuzanna Tomasikova, Jikke Wams, Anna Zettl

Förderung und Haftungsausschluss

Kofinanziert von der Europäischen Union. Die geäußerten Ansichten und Meinungen sind jedoch ausschließlich diejenigen der Autorinnen und Autoren und spiegeln nicht notwendigerweise die der Europäischen Union oder der European Health and Digital Executive Agency (HaDEA) wider. Weder die Europäische Union noch die Bewilligungsbehörde können dafür verantwortlich gemacht werden.