- Krebs-Selbsthilfegruppen bringen Menschen zusammen, die von Krebs betroffen sind, damit sie einander emotional und praktisch unterstützen können. Manche treffen sich persönlich, andere kombinieren Präsenz- und Online-Treffen [1].
- Die Forschung zeigt einen echten, aber begrenzten Nutzen. Studien bringen Selbsthilfegruppen und die Unterstützung durch andere Betroffene mit weniger Angst und mehr Zuversicht im Umgang mit der Erkrankung in Verbindung, wobei einige Studien klein sind [2] [3].
- Sie müssen weder sprechen noch Einzelheiten Ihrer Diagnose teilen. Auch Zuhören ist eine völlig gleichwertige Form der Teilnahme. Ein Londoner Krankenhaus sagt genau das über eine seiner eigenen Gruppen: Wer nichts erzählen möchte, kann einfach zuhören [4].
- Viele Gruppen heißen Partner, Familienmitglieder oder betreuende Angehörige willkommen, und manche konzentrieren sich auf eine bestimmte Krebsart [1]. Um die passende Gruppe zu finden, muss man manchmal mehrere ausprobieren.
Wahrscheinlich haben Sie schon ein Bild davon im Kopf. Ein Kreis aus Plastikstühlen unter Neonlicht. Alle weinen. Vielleicht hat Ihnen jemand in der onkologischen Praxis einen Flyer gegeben, den Sie ungelesen in Ihre Tasche gesteckt haben. Oder vielleicht scrollen Sie nachts um zwei durchs Internet, weil die Menschen in Ihrem Leben Sie zwar lieben, aber nicht so recht verstehen, was Sie durchmachen.
Bei Krebs-Selbsthilfegruppen ist es so: Sie sind vielfältiger, als dieses Bild vermuten lässt. Manche treffen sich in Nachbarschaftszentren oder Cafés [1]. Andere treffen sich über Zoom, sodass Sie im Schlafanzug vom Sofa aus teilnehmen können [4]. Und sie sind nicht nur für Erkrankte da. Viele Gruppen heißen Partner, Familienmitglieder oder betreuende Angehörige willkommen [1], und auch für Eltern krebskranker Kinder gibt es eigene Gruppen [5].
Dieser Leitfaden zeigt, wie Selbsthilfegruppen für Menschen mit Krebs tatsächlich ablaufen, wie sie helfen und wie Sie eine finden, die zu Ihnen passt – oder zu einem Menschen, der Ihnen am Herzen liegt.
Was sind Krebs-Selbsthilfegruppen, und für wen sind sie da?
Eine Krebs-Selbsthilfegruppe ist ein regelmäßiges Treffen, bei dem Menschen, die von Krebs betroffen sind, mit anderen in einer ähnlichen Situation offen über ihre Erfahrungen sprechen [1]. Mehr steckt nicht dahinter. Es gibt weder ein festes Skript noch Hausaufgaben.
Die Gruppen können sich wöchentlich oder monatlich treffen [1]. An einem Londoner Krankenhaus findet beispielsweise einmal im Monat ein Treffen von 14 bis 16 Uhr statt [4]. Manche Gruppen werden von medizinischen Fachkräften moderiert, etwa von einer spezialisierten Pflegefachperson [4]. Andere werden von selbst Betroffenen geleitet und von onkologischen Fachkräften unterstützt [6].
Der Kreis der Teilnehmenden ist größer, als Sie vielleicht denken. Laut Macmillan Cancer Support kann eine Gruppe in jeder Phase Ihrer Erfahrung mit Krebs hilfreich sein [1]. Manche Gruppen stehen allen Menschen mit Krebs offen, unabhängig von der Krebsart. Andere konzentrieren sich auf eine bestimmte Krebsart, etwa Darmkrebs [1], oder auf eine bestimmte Gemeinschaft, zum Beispiel LGBTIQ+-Menschen [6].
Eines sollte klar gesagt werden: Eine Selbsthilfegruppe zu brauchen bedeutet nicht, dass Familie und Freunde nicht genug sind. Krebs kann auf eine ganz besondere Weise einsam machen. Die Menschen, die Ihnen am nächsten stehen, bemühen sich vielleicht so sehr, positiv zu bleiben, dass Sie das Gefühl haben, nicht ehrlich darüber sprechen zu können, wie viel Angst Sie haben. Wenn sie immer wieder nach den richtigen Worten suchen und sie nicht finden, können Sie ihnen unseren Leitfaden dazu weitergeben, was man einem Menschen mit Krebs sagen kann. Eine Selbsthilfegruppe ist ein Ort, an dem Sie sich nicht auch noch um die Gefühle anderer angesichts Ihrer Krebserkrankung kümmern müssen.
Wie Krebs-Selbsthilfegruppen tatsächlich helfen
Mit Fremden über Krebs zu sprechen, klingt wahrscheinlich nach dem Letzten, was Sie gerade tun möchten. Das ist verständlich. Hier erfahren Sie, warum es trotzdem einen Versuch wert sein kann.
Der emotionale Nutzen
Vielleicht merken Sie erst, wie allein Sie sich gefühlt haben, wenn Sie mit Menschen zusammensitzen, die Sie verstehen.
In einer Gruppe können Sie sagen: „Ich habe schreckliche Angst“, ohne dass jemand sofort versucht, eine Lösung zu finden. Sie können zugeben, dass Sie wütend auf den Krebs sind, ohne dass Ihnen jemand sagt, Sie sollten positiv bleiben. Die anderen Mitglieder brauchen nicht erst die ganze Vorgeschichte. Manche wissen genau, wie sich eine Portspülung anfühlt oder wie es ist, im Wartezimmer zu sitzen und zu hoffen, dass die Bildgebung unauffällig ist.
Forschende in Norditalien, die mithilfe von Fragebögen und Interviews Selbsthilfegruppen für Frauen mit Brustkrebs und ihre betreuenden Angehörigen untersuchten, kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Sie stellten fest, dass die Gruppen emotionale Unterstützung und Rückhalt in Beziehungen sowie Informationen boten. Außerdem halfen sie den Teilnehmenden, ein Netzwerk aufzubauen und sich verstanden und bestärkt zu fühlen [2]. Der Krebs verändert sich dadurch nicht. Aber ihn allein zu tragen ist etwas anderes, als ihn gemeinsam mit Menschen zu tragen, die verstehen, was man durchmacht.
Der praktische Nutzen
Es gibt auch eine praktische Seite. Macmillan beschreibt Gruppen als Orte, an denen Menschen einander sowohl praktisch als auch emotional unterstützen [1]. Mitglieder tauschen alltagserprobte Tipps aus, für die bei einem kurzen Arzttermin oft keine Zeit bleibt.
Was sich an Tagen mit Übelkeit am besten essen lässt. Wie Sie mit Ihrem Arbeitgeber über angepasste Arbeitszeiten während der Behandlung sprechen können. Welche Formulare Sie an Ihrem Wohnort für Krankengeld oder Fahrtkosten zum Krankenhaus ausfüllen müssen. Welche Angebote vor Ort kostenlose Fahrdienste oder Essenslieferungen bieten. Dieses Erfahrungswissen stammt von Menschen, die es selbst im Alltag erprobt haben, statt nur in einer Broschüre darüber zu lesen.
Was die Forschung zeigt
Eine Studie aus dem Jahr 2019 an einem Krankenhaus in Norditalien verglich Frauen mit Brustkrebs, die an psychoedukativen Selbsthilfegruppen teilnahmen – also Gruppen, die Informationen mit emotionaler Unterstützung verbinden –, mit Frauen, die die übliche Versorgung erhielten. Bei der Nachuntersuchung wiesen die Frauen in den Gruppen geringere Werte für Angst, Depression und psychische Belastung auf und empfanden stärkere positive Veränderungen als die Frauen mit der üblichen Versorgung [2]. Betreuende Angehörige, die an den Gruppen teilnahmen, hatten niedrigere Depressions- und Belastungswerte als diejenigen, die nicht teilnahmen. Mit insgesamt 28 Frauen und 21 betreuenden Angehörigen war die Studie klein; die Autoren nennen die geringe Gruppengröße als Einschränkung [2].
Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 fasste 27 randomisierte Studien mit 7.742 Teilnehmenden zur Psychoedukation bei Brustkrebs zusammen. Dabei handelt es sich um Programme, die Wissen über die Erkrankung und den Umgang damit vermitteln. Psychoedukation verringerte Angst und verbesserte die Lebensqualität, bewirkte jedoch keinen signifikanten Unterschied bei Depressionen [7].
Auch zur Unterstützung durch andere Betroffene gibt es eigene Forschungsergebnisse. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2022 zu 29 Studien über von Betroffenen geleitete Unterstützungsangebote bei Krebs stellte fest, dass die meisten eine kleine bis mittlere Zunahme dessen zeigten, was Forschende als psychologisches Empowerment bezeichnen. Gemessen wurde dies meist anhand aktiver Bewältigung, Selbstwirksamkeit – also dem Vertrauen in die eigene Fähigkeit, mit der Situation umzugehen – und Wissen [3]. Die Autoren beschreiben den Zusammenhang insgesamt als schwach bis mäßig, aber positiv, und sprechen sich dafür aus, von Betroffenen geleitete Selbsthilfegruppen systematischer in die Krebsversorgung einzubeziehen [3].
Auch die Unterstützung durch Menschen in Ihrem Umfeld ist wichtig. Eine multizentrische Studie in Deutschland begleitete Menschen mit Krebs im ersten Jahr nach der Diagnose. Bei denjenigen mit mehr positiver sozialer Unterstützung zeigten sich im zeitlichen Verlauf weniger Symptome von Depression und Angst sowie eine bessere psychische Lebensqualität. Die Zusammenhänge waren insgesamt schwach bis mäßig. Da die Studie die Menschen lediglich beobachtete, kann sie keinen ursächlichen Zusammenhang belegen [8].
All das ist kein Versprechen. Die Effekte sind begrenzt, und zwei dieser Studien untersuchten ausschließlich Brustkrebs. Dennoch ist die Richtung ermutigend.
Arten von Krebs-Selbsthilfegruppen
„Krebs-Selbsthilfegruppe“ ist eigentlich ein Oberbegriff. Es gibt verschiedene Formate, und welches zu Ihnen passt, hängt von Ihrem Zeitplan, Ihrem persönlichen Wohlbefinden und der Art des Austauschs ab, die Sie suchen.
Gruppen vor Ort
Laut Macmillan treffen sich Gruppen meist in Gemeinschaftsräumen oder an öffentlichen Orten wie Cafés [1]. Manche Krankenhäuser bieten eigene Gruppen an. University College London Hospitals führt beispielsweise Gruppen auf, die im eigenen Krebszentrum stattfinden und von Fachpersonal begleitet werden. Einen Platz können Sie telefonisch oder per E-Mail reservieren [4]. Im selben Raum zu sein, hat eine besondere Wirkung. Sie bemerken, wenn jemand dünner aussieht als in der Vorwoche. Sie können jemanden umarmen, der gerade schlechte Nachrichten erhalten hat.
Die Kehrseite: Sie müssen in der Nähe einer solchen Gruppe wohnen, dorthin gelangen können, und Ihr Immunsystem muss mitspielen.

Online- und virtuelle Gruppen
Manche Gruppen treffen sich über Zoom [4], andere kombinieren Online-Treffen mit Treffen vor Ort [1]. Videogruppen eignen sich besonders, wenn Sie auf dem Land leben, ein geschwächtes Immunsystem haben oder sich in der Privatsphäre Ihres Zuhauses leichter öffnen können.
Daneben gibt es noch eine zweite Form: Foren, in denen Sie schreiben, wenn Sie Zeit haben, und Antworten lesen, wann es Ihnen passt. Die Online Community von Macmillan hat beispielsweise mehr als 80.000 Mitglieder und eigene Foren für Krebsarten wie Prostata-, Brust-, Lungen- und Darmkrebs. Nach eigenen Angaben ist dort rund um die Uhr Unterstützung verfügbar [9]. Prüfen Sie vor dem Beitritt zu einem Forum, wer es moderiert. Geschulte Moderatoren können eingreifen, wenn jemand medizinisch nicht fundierte Ratschläge veröffentlicht.
Telefonische Unterstützung und Einzelgespräche mit anderen Betroffenen
Nicht jeder möchte eine Kamera einschalten oder hat eine Internetverbindung, die für Videoanrufe ausreicht. Und nicht jeder ist schon bereit für eine Gruppe. Einzelgespräche mit anderen Betroffenen bieten für beides eine Lösung: Ihnen wird eine Person vermittelt, die selbst Krebs erlebt hat, und Sie sprechen unter vier Augen miteinander.
In Irland bietet die Irish Cancer Society beispielsweise einen kostenlosen und vertraulichen Telefondienst an, der Menschen mit geschulten Ehrenamtlichen verbindet, die ähnliche Erfahrungen mit Krebs gemacht haben. Die Vermittlung erfolgt über eine der auf Krebs spezialisierten Pflegefachpersonen der Organisation [10]. Fragen Sie ruhig bei Ihrer nationalen Krebsgesellschaft nach, ob es dort ein ähnliches Angebot gibt. Wenn Sie sich Unterstützung durch andere Betroffene wünschen, aber noch nicht bereit für eine Gruppe sind, ist das eine gute Alternative.
Die Formate im Vergleich
| Format | Besonders geeignet für | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Vor Ort | Menschen, die persönlichen Kontakt suchen | Persönliche Bindungen; nonverbale Unterstützung | Anfahrt erforderlich; begrenztes Angebot vor Ort |
| Online (Live-Video) | Menschen auf dem Land, mit geschwächtem Immunsystem oder mit Bedarf an flexiblen Terminen | Teilnahme von zu Hause; keine Anfahrt nötig | Bildschirmmüdigkeit; kann weniger persönlich wirken |
| Online (Forum) | Menschen, die jederzeit Zugang möchten und sich lieber mit Bedacht austauschen | Jederzeit schreiben und lesen; Zeit zum Nachdenken vor einer Antwort | Weniger unmittelbarer Austausch; unterschiedliche Moderationsqualität |
| Telefonisch oder im Einzelgespräch mit anderen Betroffenen | Menschen, die keine Kamera nutzen möchten, eingeschränkten Internetzugang haben oder noch nicht bereit für eine Gruppe sind | Kein Videodruck; vertraulicher Austausch zu zweit | Nur eine Perspektive verfügbar |
Krebs-Selbsthilfegruppen für betreuende Angehörige und Familien
Wenn Sie einen Menschen mit Krebs betreuen, wenden Sie wahrscheinlich den Großteil Ihrer Energie für dessen Bedürfnisse, Termine und Gefühle auf. Ihre eigene Belastung bleibt im Hintergrund – bis das nicht mehr geht.
Genau deshalb gibt es Selbsthilfegruppen für betreuende Angehörige. In einer solchen Gruppe können Sie darüber sprechen, dass Sie sich wegen Ihrer Erschöpfung schuldig fühlen, sich die Rollen in Ihrer Beziehung verändern oder finanzielle Belastungen entstehen. Auch darüber, wie es ist, sich im medizinischen Umfeld für jemanden einzusetzen, ohne selbst Patient zu sein, und über Gefühle wie Groll, Angst oder Trauer, die Sie sich vor der betreuten Person vielleicht kaum auszusprechen trauen. Unser Leitfaden zur Unterstützung betreuender Angehöriger erklärt ausführlicher, wie Sie für sich selbst sorgen können, während Sie sich um jemand anderen kümmern.
Manche Gruppen stehen Erkrankten und den ihnen nahestehenden Menschen gemeinsam offen. University College London Hospitals führt beispielsweise Gruppen auf, an denen neben Erkrankten auch Familienmitglieder, Freunde und betreuende Angehörige teilnehmen können [4]. Gemischte Gruppen können helfen, die Erfahrungen der jeweils anderen besser zu verstehen. Für Eltern krebskranker Kinder gibt es in ganz Europa eigene Organisationen: Childhood Cancer International Europe vertritt Eltern- und Selbsthilfegruppen von Menschen, die eine Krebserkrankung überlebt haben, mit 67 Mitgliedsorganisationen in 38 Ländern [5]. Wenn Sie einen Raum brauchen, in dem Sie für niemanden Stärke zeigen müssen, passt eine Gruppe ausschließlich für betreuende Angehörige vielleicht besser zu Ihnen.
Ihr nächster Schritt: Fragen Sie das Behandlungsteam Ihres Angehörigen (eine spezialisierte Pflegefachperson, den Sozialdienst oder den psychoonkologischen Dienst) nach Gruppen für betreuende Angehörige oder wenden Sie sich an Ihre nationale Krebsgesellschaft. Die Association of European Cancer Leagues verlinkt auf ihre 35 Mitgliedsorganisationen in 28 europäischen Ländern [11].
So finden Sie eine Krebs-Selbsthilfegruppe
Fragen Sie zuerst Ihr onkologisches Behandlungsteam
Der schnellste Weg: Fragen Sie bei Ihrem nächsten onkologischen Termin Ihre Ärztin, Ihren Arzt, eine Pflegefachperson oder den Sozialdienst: „Können Sie mir eine Selbsthilfegruppe vermitteln?“ Vielleicht bietet Ihr Krankenhaus selbst Gruppen an oder weiß, welche Angebote vor Ort gut sind. Es ist nur ein Satz, und damit geben Sie die Suche in andere Hände.
Nationale Verzeichnisse und Beratungstelefone
Wenn Sie selbst suchen möchten, sind dies die wichtigsten europäischen Organisationen:
- Macmillan Cancer Support (Vereinigtes Königreich): eine kostenlose Beratungsnummer unter 0808 808 00 00, erreichbar an sieben Tagen pro Woche von 8 bis 20 Uhr [12], sowie eine Postleitzahlensuche für Unterstützungsangebote in Ihrer Nähe [1].
- Association of European Cancer Leagues: ein Netzwerk aus 35 Krebsligen und Krebsgesellschaften in 28 europäischen Ländern, mit Links zu den Websites aller Mitglieder [11]. Ihre nationale Krebsliga oder Krebsgesellschaft ist eine sinnvolle erste Anlaufstelle für Gruppen in Ihrer Sprache.
- Youth Cancer Europe: eine von Betroffenen geleitete Bewegung, die junge Menschen mit Krebserfahrung in mehr als 40 Ländern miteinander verbindet [13].
- Europa Donna: die europäische Brustkrebskoalition mit 47 Mitgliedsländern [14]. Jedes Mitgliedsland hat ein nationales Forum, und auf der Seite der Mitgliedsländer finden Sie für die meisten davon Kontaktdaten [15].

Gruppen für besondere Bedürfnisse finden
Eine allgemeine Krebs-Selbsthilfegruppe ist ein guter Ausgangspunkt, muss aber nicht auf Dauer die beste Wahl sein. Wenn Sie eine seltenere Krebsart haben, kann der Austausch mit Menschen mit derselben Diagnose hilfreicher sein als eine breit aufgestellte Gruppe.
Mehrere europäische Netzwerke sind nach Krebsarten organisiert. Neben Europa Donna für Brustkrebs gibt es Europa Uomo, eine europäische Interessenvertretung für Männer mit Prostatakrebs, die 31 nationale Patientengruppen vertritt [16]. Lung Cancer Europe vereint nationale Lungenkrebsorganisationen aus ganz Europa [17]. Digestive Cancers Europe vereint Patientenorganisationen für Darm-, Magen-, Speiseröhren-, Leber- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Auf der Website können Sie nach einer Patientenorganisation in Ihrer Nähe suchen [18]. Auch die Online Community von Macmillan bietet Foren zu einzelnen Krebsarten [9].
Auch das Alter spielt eine Rolle. ESMO und SIOPE, die europäischen Fachgesellschaften für medizinische beziehungsweise pädiatrische Onkologie, definieren Jugendliche und junge Erwachsene als Menschen im Alter von 15 bis 39 Jahren. In Europa erhalten jedes Jahr mehr als 150.000 Menschen dieser Altersgruppe eine Krebsdiagnose [19]. Ihr gemeinsames Positionspapier nennt eine mögliche Unfruchtbarkeit als wesentliche Sorge von Menschen, die in diesem Alter eine Krebserkrankung überlebt haben. Es weist darauf hin, dass viele in diesem Alter noch nicht beruflich etabliert oder finanziell unabhängig sind, und fordert altersspezifische psychologische Unterstützung [20]. Wenn Sie sich darin wiedererkennen, könnte eine Gruppe mit Gleichaltrigen besser zu Ihnen passen. Das oben genannte Youth Cancer Europe ist ein von Betroffenen geleitetes Netzwerk für junge Menschen mit Krebserfahrung [13].
Wenn Sie LGBTIQ+ sind: OUTpatients, die einzige LGBTIQ+-Krebsorganisation im Vereinigten Königreich [21], bietet Selbsthilfegruppen online und vor Ort an. Die monatliche Zoom-Gruppe steht Menschen aller LGBTIQ+-Identitäten mit jeder Krebsart und in jedem Stadium offen [6]. Für Unterstützung in Ihrer Sprache wenden Sie sich am besten an Ihre nationale Krebsliga oder Krebsgesellschaft. Und wenn vor Ort nichts passt, erweitern Online-Gruppen Ihre Möglichkeiten erheblich.
Was Sie bei Ihrem ersten Treffen einer Krebs-Selbsthilfegruppe erwartet
Wenn Sie zögern, liegt das vielleicht nicht an organisatorischen Fragen. Sondern daran, dass Sie nicht wissen, was passiert, wenn Sie durch die Tür kommen oder sich einloggen.
Vor dem Treffen
Tragen Sie, was Sie möchten. Sie müssen nichts vorbereiten oder mitbringen. Klären Sie, ob eine Anmeldung erforderlich ist. Bei einem virtuellen Treffen testen Sie Ihren Link im Voraus. Bei einem Treffen vor Ort kommen Sie ein paar Minuten früher, damit Sie nicht hereinkommen, während jemand gerade spricht.
Erlauben Sie sich, nervös zu sein. Das ist kein Zeichen dafür, dass Sie nicht hingehen sollten.
Während des Treffens
Die Gruppenleitung begrüßt möglicherweise alle, legt einige Grundregeln fest (Vertraulichkeit, Respekt vor allen Erfahrungen, keine medizinischen Ratschläge) und beginnt mit einer kurzen Befindlichkeitsrunde. Jede Person nennt vielleicht ihren Namen und sagt in einem Satz, wo sie im Umgang mit ihrer Erkrankung gerade steht. Manche Treffen haben ein Thema. Andere sind offen gestaltet.
Hier ist das, worüber Sie sich vielleicht am meisten Gedanken machen: Sie müssen nicht sprechen. Zuhören zählt auch. Ein Londoner Krankenhaus beschreibt eine seiner Gruppen als geschützten Raum, in dem Sie sprechen, „Erfahrungen austauschen oder einfach zuhören“ können [4]. Eine gute Gruppenleitung wird Sie nicht unter Druck setzen. Wenn Sie etwas sagen möchten, erzählen Sie nur so viel, wie sich für Sie gut anfühlt. Ein Satz ist in Ordnung. Nur Ihr Name ist in Ordnung. Schweigen ist in Ordnung.
Vielleicht überrascht es Sie, wie viel in diesen Räumen gelacht wird. Krebs ist schrecklich, aber die Menschen, die damit leben, können humorvoll, schlagfertig und zutiefst ehrlich sein.
Nach dem Treffen
Es ist normal, danach vieles zu empfinden. Erleichterung. Erschöpfung. Traurigkeit. Manchmal ein unerwartetes Gefühl von Hoffnung. Geben Sie sich Zeit. Vielleicht wissen Sie sofort, dass die Gruppe zu Ihnen passt. Vielleicht brauchen Sie aber auch zwei oder drei Besuche, bevor Sie sich dort wohlfühlen.
Wenn die erste Gruppe nicht passend erscheint, ist das eine hilfreiche Erkenntnis und kein Urteil über Selbsthilfegruppen im Allgemeinen. Probieren Sie ein anderes Format, eine andere Gruppenleitung oder eine Gruppe speziell für Ihre Diagnose aus. Gut möglich, dass Sie anderswo etwas Passenderes finden.
Was Sie beim ersten Treffen tun und vermeiden sollten
| ✗ VERMEIDEN | ✓ TUN |
|---|---|
| Sich unter Druck setzen, beim ersten Treffen Ihre ganze Geschichte zu erzählen | So lange zuhören, wie Sie möchten, bevor Sie sprechen |
| Anderen Mitgliedern medizinische Ratschläge geben | Der Gruppenleitung vor oder nach dem Treffen Fragen stellen |
| Das gesamte Konzept nach einem einzigen Treffen beurteilen | Mindestens zwei oder drei Treffen ausprobieren, bevor Sie sich entscheiden |
| Ihre Erfahrung als „besser“ oder „schlechter“ als die anderer bewerten | Vertraulichkeit wahren: Was besprochen wird, bleibt in der Gruppe |
| Sich verpflichtet fühlen, an jedem Treffen teilzunehmen | Ein Notizbuch mitbringen, wenn Schreiben Ihnen beim Verarbeiten hilft |
So finden Sie die passende Krebs-Selbsthilfegruppe
Jetzt kennen Sie die verschiedenen Formen, die Vorteile und den Ablauf des ersten Treffens. So können Sie Ihre Auswahl eingrenzen.
Fragen Sie sich:
- Möchte ich Menschen mit genau meiner Diagnose treffen, oder würde sich eine allgemeine Gruppe weniger nach Krankheit anfühlen?
- Fühle ich mich im persönlichen Kontakt wohler, oder würde mir ein Bildschirm helfen, offen zu sein?
- Wünsche ich mir Struktur (feste Themen, professionelle Gruppenleitung) oder ein eher ungezwungenes Gespräch?
- Suche ich Unterstützung beim Verarbeiten meiner Gefühle, praktische Tipps oder beides?
- Ist mein Alltag planbar genug für regelmäßige Termine, oder brauche ich ein Angebot ohne feste Teilnahmeverpflichtung?
Fragen Sie die Gruppenkoordination:
- Wie viele Menschen nehmen normalerweise teil?
- Wer leitet die Treffen, und haben diese Personen eine entsprechende fachliche Ausbildung?
- Ist die Gruppe offen (Teilnahme jederzeit möglich) oder geschlossen (fester Teilnehmerkreis, festgelegter Zeitraum)?
- Wie setzt sich die Gruppe zusammen? (Menschen mit neuer Diagnose, in Behandlung, nach überstandener Erkrankung, betreuende Angehörige?)
- Entstehen Kosten?
- Kann ich einmal zum Ausprobieren teilnehmen, bevor ich mich festlege?
Die Antworten sagen Ihnen viel. Eine Gruppe mit 25 Personen unter Leitung eines selbst betroffenen Menschen ist eine ganz andere Erfahrung als eine Gruppe mit 6 Personen, die von einer sozialpädagogischen Fachkraft geleitet wird. Keine ist besser als die andere. Die richtige ist die, in der Sie sich sicher genug fühlen, um durchzuatmen.
Wenn eine Selbsthilfegruppe nicht das Richtige ist
Selbsthilfegruppen sind nicht für alle geeignet, und das ist kein Versagen.
Vielleicht überfordert es Sie, die Schwierigkeiten anderer aufzunehmen, während Sie Ihre eigenen bewältigen. Vielleicht sind Sie von Natur aus zurückhaltend und können sich in Gruppen nur schwer öffnen. Oder Sie besuchen einige Treffen und stellen fest, dass die Gruppendynamik nicht zu Ihren Bedürfnissen passt. All das sind berechtigte Gründe, nach etwas anderem zu suchen.
Weitere Möglichkeiten, die Sie in Betracht ziehen können:
- Einzelberatung bei einer Fachkraft der onkologischen Sozialarbeit oder einer therapeutischen Fachkraft, um Erlebtes in einem vertraulichen Rahmen eingehender zu verarbeiten
- Individuelle Unterstützung durch andere Betroffene, etwa über den oben beschriebenen Telefondienst der Irish Cancer Society [10]
- Onlineforen wie die Macmillan Online Community, in denen Sie sich beteiligen können, wann es Ihnen passt [9]
- Angebote für das Wohlbefinden wie Yoga, Meditation, Kunsttherapie oder Kochkurse, sofern Ihr Krebszentrum oder eine örtliche Krebshilfeorganisation diese anbietet
- Religiöse Begleitung durch die Krankenhausseelsorge oder Ihre eigene Gemeinde
Das ist keine Entweder-oder-Entscheidung. Sie können gleichzeitig eine Selbsthilfegruppe und Einzelberatung nutzen oder zwischen Angeboten wechseln, wenn sich Ihre Bedürfnisse während der Behandlung und der Genesung verändern. Es geht nicht darum, die „richtige“ Art der Unterstützung zu finden. Es geht darum, diese Last nicht länger allein zu tragen.
Sie müssen das nicht allein bewältigen
Das Schwierigste am Besuch einer Krebs-Selbsthilfegruppe ist vielleicht die Entscheidung, es zu versuchen.
Wenn dieser Artikel Sie dazu anregt, darüber nachzudenken, können Sie als Nächstes Folgendes tun. Fragen Sie Ihr Behandlungsteam beim nächsten Termin einfach: „Können Sie mir eine Selbsthilfegruppe empfehlen?“ Oder wenden Sie sich noch heute an Ihre nationale Krebsliga oder Krebsgesellschaft. Die Association of European Cancer Leagues führt ihre Mitglieder hier auf [11], und im Vereinigten Königreich ist die Macmillan Support Line unter 0808 808 00 00 kostenlos erreichbar [12].
Sie müssen weder mutig noch wortgewandt noch bereit sein. Sie müssen nur kommen.
Quellen
[1] Macmillan Cancer Support. (o. D.). Krebs-Selbsthilfe- und Unterstützungsgruppen. Abgerufen am 21. Oktober 2026 von https://www.macmillan.org.uk/cancer-information-and-support/get-help/emotional-help/local-support-groups
[2] Cipolletta, S., Simonato, C., & Faccio, E. (2019). Die Wirksamkeit psychoedukativer Unterstützungsgruppen für Frauen mit Brustkrebs und ihre betreuenden Angehörigen: Eine Mixed-Methods-Studie. Frontiers in Psychology, 10, Artikel 288. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2019.00288
[3] Ziegler, E., Hill, J., Lieske, B., Klein, J., von dem Knesebeck, O., & Kofahl, C. (2022). Empowerment bei Menschen mit Krebs: Macht Unterstützung durch andere Betroffene einen Unterschied? Eine systematische Übersichtsarbeit. Psycho-Oncology, 31(5), 683-704. https://doi.org/10.1002/pon.5869
[4] University College London Hospitals. (o. D.). [Krebs-Selbsthilfegruppen des Macmillan Support and Information Service]. Abgerufen am 21. Oktober 2026 von https://www.uclh.nhs.uk/supportgroups
[5] Childhood Cancer International Europe. (o. D.). CCI Europe - Childhood Cancer International - Europa. Abgerufen am 21. Oktober 2026 von https://ccieurope.eu/
[6] OUTpatients. (o. D.). Unterstützung. Abgerufen am 21. Oktober 2026 von https://outpatients.org.uk/support/
[7] Setyowibowo, H., Yudiana, W., Hunfeld, J. A. M., Iskandarsyah, A., Passchier, J., Arzomand, H., Sadarjoen, S. S., de Vries, R., & Sijbrandij, M. (2022). Psychoedukation bei Brustkrebs: Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse. The Breast, 62, 36-51. https://doi.org/10.1016/j.breast.2022.01.005
[8] Sauer, C., Weis, J., Faller, H., Junne, F., Hönig, K., Bergelt, C., Hornemann, B., Stein, B., Teufel, M., Goerling, U., Erim, Y., Geiser, F., Niecke, A., Senf, B., Weber, D., & Maatouk, I. (2019). Einfluss sozialer Unterstützung auf psychosoziale Symptome und Lebensqualität bei Menschen mit Krebs: Ergebnisse eines Mehrebenenmodellansatzes aus einer multizentrischen Längsschnittstudie. Acta Oncologica, 58(9), 1298-1306. https://doi.org/10.1080/0284186X.2019.1631471
[9] Macmillan Cancer Support. (o. D.). Macmillan Online Community. Abgerufen am 21. Oktober 2026 von https://community.macmillan.org.uk/
[10] Irish Cancer Society. (o. D.). Unterstützung durch andere Betroffene. Abgerufen am 21. Oktober 2026 von https://www.cancer.ie/our-services/peer-support
[11] Association of European Cancer Leagues. (o. D.). Mitglieder. Abgerufen am 21. Oktober 2026 von https://www.cancer.eu/members/
[12] Macmillan Cancer Support. (o. D.). Kontaktmöglichkeiten zu Macmillan. Abgerufen am 21. Oktober 2026 von https://www.macmillan.org.uk/about-us/contact-us
[13] Youth Cancer Europe. (o. D.). Junge Menschen verändern Europa. Abgerufen am 21. Oktober 2026 von https://youthcancereurope.org/
[14] Europa Donna. (o. D.). Europa Donna - Europäische Brustkrebskoalition. Abgerufen am 21. Oktober 2026 von https://www.europadonna.org/
[15] Europa Donna. (o. D.). Mitgliedsländer. Abgerufen am 21. Oktober 2026 von https://www.europadonna.org/about-us/member-countries/
[16] Europa Uomo. (o. D.). Startseite. Abgerufen am 21. Oktober 2026 von https://www.europa-uomo.org/
[17] Lung Cancer Europe. (o. D.). Lung Cancer Europe | Interessenvertretung und Zugang zur Versorgung bei Lungenkrebs in Europa. Abgerufen am 21. Oktober 2026 von https://lungcancereurope.eu/
[18] Digestive Cancers Europe. (o. D.). Startseite von Digestive Cancers Europe. Abgerufen am 21. Oktober 2026 von https://digestivecancers.eu/
[19] European Society for Medical Oncology. (2021, 8. April). Fachleute fordern den Abbau von Ungleichheiten in der Versorgung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen (AYA) mit Krebs [Pressemitteilung]. https://esmo.org/newsroom/press-office/experts-urge-to-remove-care-inequalities-for-adolescents-and-young-adults-aya-with-cancer
[20] Ferrari, A., Stark, D., Peccatori, F. A., Fern, L., Laurence, V., Gaspar, N., Bozovic-Spasojevic, I., Smith, O., De Munter, J., Derwich, K., Hjorth, L., van der Graaf, W. T. A., Soanes, L., Jezdic, S., Blondeel, A., Bielack, S., Douillard, J.-Y., Mountzios, G., & Saloustros, E. (2021). Jugendliche und junge Erwachsene (AYA) mit Krebs: Ein Positionspapier der AYA-Arbeitsgruppe der European Society for Medical Oncology (ESMO) und der European Society for Paediatric Oncology (SIOPE). ESMO Open, 6(2), Artikel 100096. https://doi.org/10.1016/j.esmoop.2021.100096
[21] OUTpatients. (o. D.). OUTpatients - LGBTIQ+-Krebshilfeorganisation. Abgerufen am 21. Oktober 2026 von https://outpatients.org.uk/
Dieser Artikel bietet ausschließlich informative Unterstützung und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenden Sie sich bei medizinischen Entscheidungen stets an Ihre Ärztin/Ihren Arzt.

Dieser Inhalt wurde im Rahmen des Projekts YARN erstellt, das in den Jahren 2025-2028 durch das EU4Health-Programm kofinanziert wurde (Finanzhilfevereinbarung Nr. 101219053).




